Hell Let Loose – realistischer, taktischer Weltkriegs-Shooter

POSTED BY Benjamin Krause 30/06/2019 in Simulation Games
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Seit 2015 gibt es das Black Matter Studio. Dieses versucht unabhängig, mit einem internationalen Team aus Künstlern und Programmieren, Spiele zu kreieren, die Spieler mitreißen. Nun arbeiten die Entwickler genau dieses Labels an dem Weltkriegs-Shooter Hell Let Loose. Auf einem Online-Fact-Sheet über das Game ist zu lesen: „Du hast den Zweiten Weltkrieg nie gespielt, wie er gespielt werden sollte!“ Mit dieser vollmundigen Ansage greifen die Macher bereits Lorbeeren ab, obwohl noch keine Vollversion auf dem Markt ist. Jedoch ist Hell Let Loose seit 6. Juni 2019 via Steams Early Access spielbar – und erntet größtenteils positive Reviews. Doch die eigentliche Frage ist, was machen die Verantwortlichen in diesem Spiel anders? Denn Weltkriegs-Shooter sind nicht gerade rar gesät in der Gaming-Branche, oder? Sicher ist immerhin, dass Hell Let Loose kein neues Battlefield ist und keinen Anspruch auf permanente Action hat. Denn im Fokus der Entwicklung steht ganz klar die Umsetzung als realistischer Shooter, der in einem Weltkriegsszenario angelegt ist.

50 vs 50

Hell Let Loose macht auf den ersten Blick viel richtig. Denn schon zu Beginn ist klar, dass die Macher hier nicht auf schnelle Action und überzogene Feuergefechte aus sind. Ganz im Gegenteil. So finden wir keine sofort zugängliche Matchsuche – noch können wir einfach in eine Partie hüpfen. Viel mehr müssen wir uns mit dem Gedanken auseinandersetzen, welcher Einheit wir beitreten wollen. So wählen wir zum Beispiel zwischen Panzerbesatzung, Schütze, Sniper oder Medic. Jede der insgesamt 14 Rollen hat dabei ihre spezifischen Vor- und Nachteile. Denn ein Panzerkommandeur hat andere Voraussetzungen im Spiel, als eben ein MG-Schütze.

Nachdem wir unsere Wahl getroffen haben, präsentieren uns die Entwickler des Black Matter Studios eine überraschend übersichtliche sowie detailreiche strategische Karte. Auf dieser können wir leicht den bisherigen Schlachtverlauf ablesen. Denn die Runden sind so angelegt, dass die Spieler um einzelne Sektoren kämpfen. Apropos Spieler: Hell Let Loose ist auf Online-Partien ausgelegt, in denen sich jeweils 50 Gamer gegenüberstehen. Somit generiert der Weltkriegs-Shooter eine beeindruckende Spielumgebung, in der 100 Kämpfer das Schlachtfeld füllen.

Jedoch stehen sich die Soldaten hier nicht auf den Füßen herum. Die Karte von Hell Let Loose hat einen Umfang von umgerechnet rund vier Quadratkilometern Größe. So ist es trotz der Spielerzahl häufig nötig, weite Strecken zurückzulegen. Jedoch, wie bereits anfangs erwähnt, geht es hier nicht um den schnellen Kill oder Action am Fließband. Hell Let Loose will eine Emotion transportieren und den Spieler in eine Zeit versetzen, in dem diese Hölle für einen Großteil der Menschen bittere Realität war.

Nachdem wir unsere Rolle ausgewählt haben, dürfen wir dann auch schon mitmischen. Fast – denn zuerst suchen wir noch einen Spawn-Punkt. Über diesen betreten wird dann endlich die Karte und können uns in den Kampf werfen. Doch wenn nicht gerade an dieser Stelle etwas passiert, gilt es, zu marschieren. Wie gesagt, die Karte ist groß. So bleibt uns nichts anderes übrig, als uns in die Richtung zu bewegen, wo gerade gekämpft wird. Das klingt auf den ersten Blick nicht sonderlich spannend, sorgt aber für eine enorme Immersion. Zudem gilt es auch in einer solchen Phase, absolut fokussiert zu sein. Nicht selten werden wir für Unachtsamkeiten in der Bewegung zum Kampf hin, niedergestreckt. Fies daran ist, dass wir dabei nicht einmal immer merken, woher der Schuss eigentlich gerade kam. Also suchen wir uns stets einen Weg, der mit zumindest rudimentärer Deckung überzeugen kann – auch wenn das schwerfällt.

Bei Hell Let Loose gibt es kein Mitleid

Das mit dem Sterben in Hell Let Loose wäre im eigentlichen Sinne ingame gar kein so großes Drama. Bei den meisten Spielen dieser Art lässt sich dann einfach wieder an einem Spawn-Punkt einsteigen. Anders hier. Denn alles im Shooter kostet Ressourcen. Sei es Munition, Treibstoff, oder eben die Manpower. Segnen wir also das Zeitliche, geht im eigenen Team Manpower flöten. Ist diese zu niedrig, können wir eben nicht einfach wieder neu einsteigen.

Um dann erneut in das Spiel kommen zu können, müssen Sektoren erobert oder gehalten werden. Denn so frischen sich die verfügbaren Ressourcen alle 60 Sekunden auf. Wir zudem ein ganz neuer Sektor eingenommen, gibt es einen kleinen Ressourcenschub für das entsprechende Team. Jedoch verliert das gegnerische Team eben diesen Anteil. Damit schafft Hell Let Loose in diesem Kontext eine eigene Art von Balancing, welches sehr gut zu funktionieren scheint. Zumindest macht es auf uns beim Spielen den Eindruck.

Dabei drängt sich die Frage auf, warum das mit den Ressourcen so ein Problem sein sollte? Klarer wird das an der Rolle des Engineers. Dieser ist dazu befähigt, auf dem Schlachtfeld verschiedenste Dinge zu kreieren. Etwas Stacheldrahtsperren oder Panzersperren. Für diese Zwecke benötigt er jedoch angesprochene Ressourcen. Und je größer oder mächtiger die Sache ist, die er aufbauen möchte, umso kostenintensiver ist diese. Denn wir könnten in der Rolle als Beispiel ein Artilleriegeschütz an der Front zusammenbasteln – vorausgesetzt, wir haben, ihr ahnt es schon, ausreichend Ressourcen hierfür zur Verfügung.

Aufgrund dieser Spielmechanik wird aktuell damit die Seite begünstigt, die bereits Oberwasser hat. Das könnte sich im fertigen Spiel vielleicht als Manko herauskristallisieren. Jedoch gefällt uns dieser Umstand ganz gut. Denn natürlich ist es problematisch für eine Seite unter solchen Bedingungen, den Bock noch einmal umzustoßen. Aus unserer Sicht trägt das schlicht dazu bei, Hell Let Loose als das zu erleben was es sein soll: Ein Weltkriegs-Shooter, der realitätsnah konzipiert ist und daher auch kein Mitleid kennt.

Stetig wachsender Spielinhalt

Grafisch schaffen es die Macher, das Setting der aktuell zwei Karten extrem detailgetreu und abwechslungsreich zu gestalten. Produziert wird das Ganze auf der Unreal Engine 4, was eine durchaus ansprechende Aufmachung ermöglicht. So wurden für den Hürtgen Wald (Hürtgen Forest) sowie Sainte-Marie-du-Mont originale Karten zur Nachbildung genutzt. Weitere Maps, wie Utah Beach, Varvie, Carentan und viele andere sind geplant.

Neben unterschiedlichen Fahrzeugen, wie dem Sherman oder Panther, stehen auch Trucks sowie spezielle Anti-Panzer-Waffen wie die 57mm M1 bereit. Als spielbare Fraktionen haben die Entwickler bisher aufseiten der Alliierten die Truppen der Vereinigten Staaten, sowie für die Achsenmächte die der Deutschen eingepflegt. Im fertigen Spiel wird es mit der Sowjetunion die Rote Armee, die britische Armee sowie die kanadische Armee für die Alliierten geben. Aufseiten der Achsenmächte kommt Japan mit der Imperialen Japanischen Armee hinzu.

Doch schon jetzt schaffen es die Macher in Hell Let Loose, eine enorm dichte Atmosphäre zu kreieren. Etwa, wenn wir uns vorsichtig durch einen bereits völlig zerschossen Abschnitt des Hürtgen Waldes bewegen und im Hintergrund die feindliche Artillerie donnert. So zieht uns das Geschehen völlig ein und wir brauchen, nachdem wir aufgehört haben zu spielen, einige Minuten, um zu realisieren, was uns da gerade widerfahren ist.

Einziges Manko in diesem Kontext sind die aktuellen Probleme im Sound. Denn obwohl grundsätzlich der Audio-Aspekt hervorragend gelungen ist und wir uns tatsächlich mitten im Geschehen zu befinden scheinen, gibt es Differenzen mit den Waffengeräuschen. Diese sind zwar authentisch, jedoch zeigen sie noch Unstimmigkeiten in Bezug auf die Lautstärke unter der Berücksichtigung der Entfernung.

Hell Let Loose – ein Fazit

Das Black Matter Studio versteht es, einen realitätsnahen Multiplayer-Shooter zu kreieren. Grafisch stimmig, mitreißend, grundsätzlich gut ausbalanciert und vom Umfang in der Early Access vernünftig. Jedoch kommt uns in diesem Kontext dann auch die vollmundige Ankündigung aus dem Online-Fact-Sheet, wie anfangs erwähnt, in den Kopf. Denn selbst nach einigen Runden, können wir nicht herausfinden, welchen großen Unterschied es nun gibt, der uns zeigt, „wie ein Zweiter Weltkriegs-Shooter gespielt“ werden sollte. Dennoch setzen wir große Hoffnung in die weitere Entwicklung. Denn das, was Hell Let Loose bisher abliefert, ist durchaus beeindruckend und macht Lust auf mehr.

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Benjamin Krause

Hi ich bin der Benjamin Krause, 28 Jahre alt und vom Beruf Online Marketing Manager. Ich selbst bin in der Gameingbranche seit ich 13 Jahre alt bin. Mich findet man auf diversen Online Marketing Messen, sowie natürlich auch auf der dreamhack und der Gamescom.

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