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Conan Exiles – Barbaren auf dem Vormarsch

Bereits Anfang 2017 begeisterte das Survival-Abenteuer Conan Exiles Fans in der Early-Access-Phase. Jedoch hatte der Open-World-Titel noch einige Probleme aufzuweisen. Dabei sorgte gerade der Start des Spiels für einiges an Interesse unter den Spielern. Brutaler und erbarmungsloser Kampf um das eigene Überleben in einer offenen Welt, gewürzt mit den Inhalten des Conan-Universums und einer Prise Minecraft. Bei der Ankündigung hatte die Community den norwegischen Macher Funcom bereits in den Himmel gehoben. Das auf der Unreal Engine 4 unter der Leitung von Joel Bylos entwickelte Spiel sollte eine besondere Kombination werden.

Bereits die ersten Bilder von Spielfiguren, die mit einem Hauch von Nichts durch die Spielwelt flanierten, ließen die Herzen vieler höher schlagen. So war es auch nicht verwunderlich, dass schnell unzählige Videos und Bilder über die scheinbare Absurdität der Nacktheit in Videospielen überall im Netz auftauchten. Gerade Publisher Koch Media hatte dabei im englischsprachigen Raum mit Peniswitzen, zu kämpfen. Denn „ch“ wird dort nicht gesprochen, sodass Koch eher nach Cock klingt und dies nun einmal umgangssprachlich für das männliche Geschlechtsorgan steht. Diese Witze fanden ihre Steilvorlage dann auch wunderbar in dem Charaktereditor zu Conan Exiles, in dem der Spieler sein „Gemächt“ anpassen konnte.

Die Flachwitze ebbten allerdings bald ab und die Spieler konzentrierten sich wieder auf das, was Conan Exiles zu bieten hatte und das viel in der Early-Access-Phase etwas abgespeckt aus. Viele Inhalte für Spieler die Titel gerne ausreizen fehlten und das Kampfsystem ließ ebenfalls zu wünschen übrig. Immerhin stand ein Gerüst, an dem Funcom fleißig weiter basteln konnte, bis es am 8. Mai 2018 endlich soweit war und der offizielle Release vorgestellt wurde. Was hat sich also verändert bei Conan Exiles und ist es nun ein komplettes Spiel?

Conan Exiles

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Größer, brutaler, besser

Das Erste, das auffällt, wenn wir die offizielle Version des Spiels, mit der aus der Early-Access vergleichen ist, das die Spielwelt um einiges größer ist. Üppiger und deutlich umfangreicher als noch vor einer Weile gestaltet sich das, was uns ins Auge sticht. Dabei wurden von Funcom ganz neue Gebiete hinzugefügt. Unter anderen sonnige Küsten und düster, modrige Sümpfe. Ebenfalls werden die frischen Regionen von unterschiedlichsten menschlichen Gegnern und Tieren besiedelt. Menschenaffen, die größer sind als wir selber, bevölkern so weite Gebiete der Sumpf- und Dschungelabschnitte. Selbst fortgeschrittene Spieler die zusammenarbeiten haben mit diesen ihre Probleme.

Ebenfalls gibt es hier World-Bosse. Dies sind besonders starke Tiere, die sich für erfahrene Spieler als echte Herausforderung darstellen. Alleine und unter dem Maximallevel sollte der Spieler es sich zweimal überlegen, so einem Brocken gegenüberzutreten. Jedoch finden wir hier, ganz getreu dem Motto: „Viel Feind, viel Ehr“, als Belohnung für einen Sieg, legendäre Gegenstände. Segnen wir hingegen das Zeitliche, bleibt unser Hab und Gut bei der Leiche liegen und kann somit auch von anderen abgegriffen werden.

Tipp: Wer schnell vorankommen will, lässt Kämpfe und Siedlung erst einmal links liegen und macht sich auf die Suche nach den Landschaftsmarkern. Diese sind überall verteilt und geben beim erstmaligen Auffinden einen ordentlichen Erfahrungsbonus. So kann der eigene Charakter recht flott gelevelt werden. Dafür muss nur die Spielwelt erforscht werden.

Mit den neuen Gebieten stehen dem Spieler auch neue Möglichkeiten zum Siedeln zur Verfügung. Ob wir es uns also an Südseeabschnitten, in der heißen Wüste, auf eisigen Gipfeln oder in blubbernden Sümpfen gemütlich machen, ist ganz uns überlassen. Dabei überzeugt Conan Exiles gerade mit der dichten Atmosphäre.

Freiheit wie nur Barbaren sie kennen

Wer sich durch die Welt von Conan Exiles bewegt, stellt schnell fest, dass sich andere Spieler unzählige Möglichkeiten einfallen lassen, wie sie ihre Siedlung gegen Eindringlinge schützen können. Manche bauen ihre Unterkünfte sogar auf Bergspitzen oder brüchige Hügelkuppen, um sich vor Angriffen zu schützen. Eben um diesem Trend entgegenzuwirken und Chancengleichheit zu schaffen, wurde das Freeclimbing-System eingeführt. Damit können wir nun frei wie uns die Nase treibt über Abhänge hin wegklettern, Ruinen besteigen oder Felsen hinaufsteigen. So treffen wir nur noch selten auf Hindernisse, die von uns nicht mehr zu überwinden sind. So lassen sich auch Spieler angreifen und plündern, die sich auf Erhöhungen sicher fühlen. Das Klettersystem hat sich der Entwickler nicht zufällig bei Primus Zelda abgeschaut. Genauer, bei Zelda – Breath of the Wild. Laut der Angabe von Funcom hatten Entwickler das Spiel im Büro gespielt und waren sich anschließen einig, dass sie diese Art zu klettern unbedingt verwenden müssten.

Damit steht unserem Exilanten die ganze Welt von Conan Exiles zur Begehung zur Verfügung. Doch schon kurz nach dem Release dieses Systems, begannen findige Spieler ihre Siedlung mit Stacheln rundherum zu versehen, um dem überambitionierten Klettermaxe auch gleich die Lust zu nehmen, den Gipfel zu erklimmen und ihn auszurauben. Begrenzt wird der Spaß beim Freeclimbing ebenfalls von der Ausdauer. So sind wir nun zwar mobiler, bewegen uns jedoch in einem vernünftigen Rahmen, der genug Freiheiten lässt, ohne zu sehr einzuschränken.

Ein neues Kampfsystem soll es richten

Auch dem rudimentären Kampfsystem, das noch in der Early-Access-Phase ein großer Dämpfer war, haben sich die Entwickler aus Skandinavien angenommen. Wo bisher in der Egoperspektive gekämpft wurde, steht uns nun die Verfolgerkamera zur Verfügung. Mit dieser bietet sich eine deutlich besser Übersicht. Zudem wurden die Angriffskombinationen deutlich erweitert. Zu Beginn gab es nur einige wenige Schlagfolgen. Nun stehen uns neben der angepassten Perspektive auch wesentlich mehr Bewegungsoptionen zur Wahl. Gerade das Timing wurde nun deutlich präziser gestaltet, sodass sich jetzt mehrere verschiedene Angriffe kombinieren lassen. Zum Beispiel ein Sprint mit anschließender Kombination von unterschiedlichen Schlägen. Danach mit einer Rolle den Versuchen des Gegners ausweichen, um noch ein paar schnelle Treffer zu setzten. Die Kämpfe in Conan Exiles sind dank der Neuerungen weitaus dynamischer, erscheinen griffiger und authentischer.

Fehler gibt es jedoch auch hier noch ab und an. Wie etwa das ein Block nicht auslöst, die Rolle trotz guten Timings nicht ausgeführt wird oder manche Schläge einfach im Nichts verpuffen. Ebenso konnten wir beobachten, wie wir Gegner so mit Treffern zudeckten, das diese von uns festgenagelt wurden. Dennoch ist die Überarbeitung gelungen und es macht richtig Spaß sich mit anderen zu messen.

Die Ausdauer spielt auch im Kampf eine übergeordnete Rolle. Die Zeiten, in denen einfach wild auf den Gegner zugestürmt werden konnte, sind vorbei. Nun erinnert das Kampfsystem ein wenig mit seinen Kombinationen an Dark Souls. Ebenfalls haben die Waffen jetzt unterschiedliche Boni und können damit taktischer genutzt werden. Ein Hammer, der mit zwei Händen geführt wird, gibt deutlich mehr Schaden als ein Dolch. Dieser jedoch kann Bluten verursachen, wohingegen der Hammer den Gegner vielleicht zu Boden stößt. Damit ist es nun endlich möglich, den Kampfstil den eigenen Vorlieben entsprechend anzupassen.

Vom Häuslebauen

Nachdem wir es gerade zu Beginn immer wieder mit wilden Tieren, nervigen Mitanfängern und Banditen zu tun haben, wollen wir uns natürlich so bald als irgend möglich einen Unterschlupf bastel. Ganz im Minecraft-Stil besorgen wir also jede Ressource für unser provisorisches erstes Heim in Handarbeit. Damit beschaffen wir uns nach und nach die Baustoffe, die nötig sind oder die Verarbeitungsstätten, um neue benötigte Gegenstände fertigen zu können. Was in der Early-Access-Phase bereits gut lief, wurde im offiziellen Release nur wenig überarbeitet. So geht beispielsweise die Platzierung von Wänden oder Bodenplatten deutlich leichter von der Hand.

In Conan Exiles sind wir immer auf der Suche nach dem besonderen Rohstoff und den Gegenständen, um neue Abschnitte auf unserer Bauliste abarbeiten zu können. Hier stehen uns nun anstatt 200 Gegenständen zum Bau satte 800 zur Auswahl. Damit dürfen wir uns dann beeilen eine geeignete Unterkunft zu zimmern, bevor der nächste Gegner um die Ecke hüpft und uns in den Rücken fällt.

Niemals alleine

Ein großes Feature zum Release gab es ebenfalls. Den Purge. „Purge“ ist ein Großangriff von NPCs auf die Siedlung des Spielers, die sich ein wenig vorher ankündigen. Diese PvE Herausforderung ist eine angenehme Abwechslung zum harten Alltag im Hausbau. Ob wir angegriffen werden, entscheiden hingegen unsere Aktionen in Conan Exiles. Rennen wir mit unserem Exilanten durch die Gegend und meucheln alles, was uns vor die Klinge läuft und bauen währenddessen fleißig an unserer befestigten Siedlung, wird uns wahrscheinlicher ein Angriff treffen. Anders sieht es da aus, wenn wir uns für das ruhige Leben eines zurückgezogen lebenden Einsiedlers entscheiden. Eine Blockhütte an einem idyllischen See, den wir morgens kurz nach Sonnenaufgang zum Angeln aufsuchen und einfach nur unsere virtuelle Freiheit genießen, zieht relativ wenig Aufmerksamkeit auf sich.

Wer allerdings in Ruhe siedeln möchte, kann diese Purge auch auf den Servereinstellungen ausschalten. Eben um einen pazifistischen Lebensstil und die Ruhe in Conan Exiles zu genießen. Da innerhalb der Community auch immer wieder der Ruf nach der Befreiung der Sklaven laut wurde, überraschte Funcom ebenfalls mit der Möglichkeit, Mensch als Helfer zu rekrutieren, denen wir das Leben gerettet haben. Damit müssen nun nicht mehr Sklaven geknechtet werden, was eine angenehme kleine Erweiterung für alle friedliebenden ist.

Diese Purge geschehen dabei mit etwas Vorlaufzeit. Wir bekommen also noch die Möglichkeit Helfer herbeizurufen oder Sklaven zu bewaffnen. Welche Gegner uns dabei angreifen, entscheidet nicht zuletzt der Standort unserer Siedlung. So können wir Glück haben und nur ein paar wilde Tiere rennen uns die Bude ein oder aber ein Riese hat uns ins Visier genommen.

 

Nur nice to know, wir haben auch unseren eigenen Streaming / Gameingserver für Conan (Roleplay Server)

conan, Conan Exiles – Barbaren auf dem Vormarsch

Hier findet Ihr auch die Regeln für den Server

Eine eigene Welt

Funcom erschafft nach Vorlage von Robert E. Howard eine erbarmungslose, oft stimmungsvoll inszenierte Welt. Die verschiedenen Schauplätze bieten uns immer wieder Abwechslung. Dabei bleibt immer das Gefühl, das wir beobachtet werden und besser vorbereitet sein sollten. Während wir auf unseren Wegen durch die Umgebung unterwegs sind, gibt es unzählige Dinge, die wir entdecken könne. Daneben erwartet uns auch immer der ein oder andere Gegner. So springen uns aus dem Hinterhalt riesige Skorpione an, schlüpfen Krokodile aus dem Wasser oder springen Mutantenmonster zwischen alten Ruinen auf uns zu. Damit gestaltet sich unsere Spielwelt zwar atmosphärisch und schön anzusehen, nötigt uns jedoch zu jeder Zeit unsere Aufmerksamkeit ab.

Besonders hat es uns das Sumpfgebiet angetan. Im Osten der Welt gelegen, erstreckt es sich über eine weite Ebene. Das satte grün ist ein ordentlicher Kontrast zu den eisig weißen Gebieten im Norden oder der grellen, trockenen und heißen Wüste. An der Küste wogt ein Piratenschiff in den sanften Wellen der Brandung und ein großer Dungeon erwartet abenteuerlustige Helden. Neben den Menschen, die sich hier in diversen kleinen Ansammlungen tummeln, machen uns besonders große Reptilien das Leben schwer. Die zu Beginn angesprochenen Menschenaffen sind nicht das Einzige, das uns in den tiefen Auswüchsen des Dschungels erwartet. Überdimensionierte Gottesanbeterinnen besiedeln beispielsweise eine Ruinenstadt, die von den Pflanzen dieses Gebietes überwachsen ist und zum Erforschen einlädt. Ganz nebenbei am geilsten ist es wenn man sich einen eigenen Conan Server mietet, denn dann hat man auf jeden Fall die Macht und seine Ruhe!

Wer dieses Gebiet besuchen möchte, sollte sich jedoch gut vorbereiten und über ein gewisses Level verfügen. Sonst wird es ein recht kurzer Ausflug in das stimmungsvoll umgesetzte Areal. Sollte der Spieler also hier Probleme haben, kann er sich ebenfalls von der Idee verabschieden, den Vulkan im eisigen Norden zu besuchen.

Der Vulkan

Weit im Norden liegt der Vulkan, der sich laut Funcom gerade an die Spieler richtet, die das Maximallevel erreicht haben. Dementsprechend ist hier die Herausforderung. Zudem ist dieser Dungeon nur in Gruppen zu genießen. Damit will der Entwickler aus Oslo der Kritik entgegenwirken, das es gerade für Vielspieler zu wenig Inhalte gäbe.

Der Vulcano-Dungeon wirft uns also extra starke Bosse und Monster entgegen, die allerdings etwas besonders beschützen, wofür es sich zu kämpfen lohnt. Eine Schmiede, an der Obsidian-Gegenstände geschmiedet werden können. Da wir sicher nicht die Einzigen sind, die sich diese Besonderheit zu eigen machen möchten, sind hier blutige PvP-Kämpfe vorprogrammiert.

So gestalten sich die neuen Gebiete aus unserer Sicht als eine absolut gelungene Erweiterung. Gerade für Barbaren die einfach mehr Zeit investieren und auch in späteren Stufen noch Herausforderung erleben möchten. Zudem bekommen diese auch entsprechende Belohnungen, die schon Anreiz genug sind.

Ein Highlight für Handwerker

Ein letztes Highlight gab es zum Launch ebenfalls. Hier wurden dem Crafting unzählige Rezepte hinzugefügt und lassen dem Spieler die freie Hand in der Entfaltung. Ob Teile für die Gebäude oder Gegenstände für die Inneneinrichtung. Mehr als 900 verschiedene Inhalte gibt es in der Zwischenzeit, die der ambitionierte Handwerker fertigen kann. Dabei scheint das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht zu sein.

In diesem Zuge wurde auch das neue Landwirtschaftssystem per Update eingefügt. Damit können wir endlich eigenes Saatgut anpflanzen und diesem beim Wachsen zusehen. Dies wird unsere Möglichkeiten an ausreichend Nahrung zu kommen, enorm Vielschichtiger gestalten, als das stupide sammeln von Fleisch. Zudem haben die Pflanzen in Conan Exiles neben der Funktion uns als Essen zu dienen, auch heilende Wirkung, oder können als Färbemittel eingesetzt werden. Nach wie vor benötigen wir aber einen Großteil von ihnen in Faserform zum Bau.

Funcom hat mit dem Update 33 dafür gesorgt, dass alle Pflanzen die nicht unter der Wasseroberfläche wachsen, genutzt werden können. Diese können also alle geerntet sowie angebaut werden. Nötig ist hierzu allerdings eines der vielen Talente in Conan Exiles. So ist der Landmann auf Stufe 18 nötig, um seinen Traum von der eigenen Farm verwirklichen zu können.

Conan Exiles – das Fazit

Nach dem Release von Conan Exiles ist klar, dass gerade die drei Standbeine des Titels deutlich ausgeprägter und besser als noch in der Early-Access-Phase sind. Das Crafting-System wurde ordentlich erweitert und bietet uns nun sogar die Landwirtschaft. Mit der Überarbeitung des Kampfsystems gibt es jetzt endlich ein taktisch geprägtes, von Überlegungen bestimmtes, dynamisches gegeneinander. Wo vorher noch wilde Klickerorgien an der Tagesordnung waren, stehen heute abwechslungsreiche und fordernde Auseinandersetzungen. Zudem hat Funcom die Möglichkeiten für Vielspieler stimmig verbessert und bietet nun auch endlich höherstufigen Spielern ausreichend Herausforderungen. Durch die Purge wurde zudem für eine eigene Dynamik gesorgt, die auch die eigene Spielweise in Conan Exiles in die Konsequenzen der Handlungen einbindet.

Conan Exiles ist ein stimmungsvolles Spiel geworden, das Spieler auch abseits der Kenntnisse des Conan-Universums zu fesseln vermag. Ob als emeritierter Einsiedler oder als meuchelnder Barbar mit Neigung zur Landwirtschaft: Conan Exiles bietet jedem etwas, der sich Zeit nimmt, Teil der Erfahrung zu werden.